Welche Preiskategorien gibt es?
1. Chronisch krank und gut versorgt
Chronische Erkrankungen, sowohl somatischer, als auch psychosomatischer oder psychischer Art sind in der Bevölkerung stark verbreitet und beeinflussen die Lebensqualität erheblich. Auch neue, langanhaltende Erkrankungen, wie das Post-COVID-Syndrom, stellen die Patientinnen und Patienten vor vielseitige Herausforderungen. Sie müssen lernen, mit ihrer Erkrankung im Alltag umzugehen und ihre Beschwerden zu bewältigen. Um die Behandlung und den Alltag zu erleichtern, wird ein komplexes Zusammenspiel von Ärztinnen und Ärzten verschiedener Fachdisziplinen, Therapeutinnen und Therapeuten, Apothekerinnen und Apothekern sowie weiterer Gesundheitsberufe benötigt. Prämiert werden herausragende Projekte, die die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen verbessern. Dazu gehört neben der direkten Behandlung von Patientinnen und Patienten auch die aktive Einbindung in die Therapie, eine optimale, interprofessionelle Zusammenarbeit sowie die Vernetzung zwischen den Sektoren.
2. Gesundheitsförderung und -versorgung mit und für Menschen mit Behinderung
Gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft und Selbstbestimmung sind wichtige Forderungen von Menschen mit Behinderungen. Diese sind auch in Bezug auf die Gesundheit relevant, denn Gesundheit und Teilhabe bedingen sich gegenseitig. Für Menschen mit anhaltenden körperlichen, seelischen, geistigen oder Sinnesbeeinträchtigungen gibt es vielfältige Barrieren beim Zugang zu Gesundheitsleistungen und -angeboten. Prämiert werden Projekte, die die Gesundheit von Menschen mit Behinderungen in den Blick nehmen und zur gesundheitlichen Selbstbestimmung beitragen. Dazu sind Unterstützungsangebote notwendig, die die Menschen aktiv einbeziehen und ihre Besonderheiten berücksichtigen.
3. eHealth – Neue Chancen im Gesundheitswesen
Neue Technologien im Gesundheitswesen eröffnen vielfältige Möglichkeiten in der Prävention und Gesundheitsförderung sowie in der ambulanten und stationären Gesundheitsversorgung. Mit Hilfe digitaler Technologien und Künstlicher Intelligenz kann das medizinische Fachpersonal bei der Diagnostik und Therapie unterstützt werden. Durch den Einsatz digitaler Gesundheits- und Pflegeanwendungen und Gesundheits-Apps, aber auch durch eine zielgerichtete Datennutzung ergeben sich neue Chancen zur Verbesserung der Patientenversorgung. In dieser Preiskategorie werden Projekte und Lösungen gesucht, die innovative, digitale Technologien zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Prävention nutzen und damit einen gesundheitlichen Mehrwert für die Patientinnen und Patienten sowie Anwenderinnen und Anwender schaffen.
Die Preisträger:innen 2023
Preiskategorie: Chronisch krank und gut versorgt
Projekt: ReHaTOP
Preisträger:in: Jobcenter Region Hannover, Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover, Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft
Preisgeld: 5.000 Euro
Kurzbeschreibung
Das Projekt „ReHaTOP“ (Region Hannover, Teilhabe, Orientierung, Prävention) widmet sich der umfassenden Unterstützung von psychisch erkrankten Teilnehmer:innen im Bürgergeldbezug. Erstmalig arbeiten die drei Kooperationspartner Jobcenter Region Hannover, Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) hierfür Hand in Hand zusammen. Ziel ist die Verbesserung der Lebenszufriedenheit der Teilnehmer:innen, die Förderung der sozialen Teilhabe sowie eine etwaige berufliche (Re-)Integration. Ein Team aus Psycholog:innen und einer Psychiater:in erfasst zu Beginn des Projektes mittels ausführlicher Begutachtung die psychische Verfassung der Projektteilnehmer:innen, um das weitere Vorgehen in Abstimmung mit dem „Kümmerer-Tandem“ genau zu planen. Dies besteht aus jeweils einem/r Sozialpädagog:in des BNW und einem/r Fallmanager:in des Jobcenters. Bis zu 240 Teilnehmer:innen werden individuell stabilisierend oder berufsfördernd begleitet und haben zudem die Möglichkeit, aus fast einhundert Modulen ein passendes, wochenfüllendes Programm zu erstellen. Das gesamte Projekt findet interdisziplinär, niedrigschwellig und unter einem Dach statt. Unter dem Motto „kein Abschluss ohne Anschluss“ wird auch die weitere Perspektive im Anschluss an das Projekt geplant. Dazu kann der berufliche Anschluss, aber auch der Beginn einer passenden psychotherapeutischen Behandlung gehören. Eine Teilnahme ist für zwölf bzw. maximal achtzehn Monate vorgesehen.
Preiskategorie: Gesundheitsförderung und -versorgung mit und für Menschen mit Behinderung
Projekt: Stark für mich!
Preisträger:in: Lebenshilfe Hannover
Preisgeld: 5.000 Euro
Kurzbeschreibung
Im Projekt „Stark für mich!“ geht es um die Stärkung emotionaler und gesundheitsbezogener Kompetenzen von Menschen mit geistiger und komplexer Behinderung. Es soll dazu dienen, Versorgungslücken im Zugang zu pädagogischer Beratung und lebensweltbezogener Begleitung bei psychischen Belastungen aufzuzeigen und unter einer Ressourcenorientierung sowie einem unmittelbaren Praxisweltbezug methodisch zu bearbeiten. Besonders wichtige Ziele sind dabei die Bewusstseinsbildung, das Empowerment und der Abbau von Barrieren. Das Projekt zielt weiterhin darauf ab, adressat:innen- und bedarfsorientiertes Material und Angebote zu entwickeln und diese auf niedrigschwelliger Basis in Einzel- oder Kleingruppensettings zu erproben. Diese Materialien werden nach Projektabschluss zusammen mit Gesprächsleitfäden, Strukturierungsvorschlägen und Ablaufplänen für Kleingruppenarbeit oder Individualgespräche in einer inklusiven Bestärkungskiste für die einzelnen Unternehmensteile gesammelt, um über den Projektzeitraum hinaus davon zu profitieren. Ein weiterer Fokus des Projekts liegt auf der Sichtbarmachung des Themas durch Öffentlichkeitsarbeit, die in Form von Teilnahme an Fachtagungen zusammen mit Selbstvertreter*innen aus der Gruppe der Teilnehmenden erfolgt sowie der Gestaltung und Durchführung von Inhouse-Fortbildungen. Elementar dabei ist die Anerkennung von Menschen mit geistiger Behinderung als aktiv Gestaltende in sozialen und individuellen Krisensituationen, außerdem die Anerkennung ihrer Handlungskompetenz.
Preiskategorie: eHealth – Neue Chancen im Gesundheitswesen
Projekt: OnkoRiskNET
Preisträger:in: Medizinische Hochschule Hannover – Institut für Humangenetik und Projektpartner:innen
Preisgeld: 5.000 Euro
Kurzbeschreibung
Mindestens 5-10% aller Tumorerkrankungen haben eine erbliche Ursache und treten aufgrund von krankheitsverursachenden Genveränderungen im Rahmen eines Tumorrisikosyndroms auf. Trotz der großen Relevanz wird bei vielen Betroffenen die Diagnose eines Tumorrisikosyndroms nicht gestellt. So wird Betroffenen und ihren Familien die Option einer personalisierten Therapie sowie die Möglichkeit, über eine risikoadaptierte Prävention das Auftreten weiterer Krebserkrankungen in der Familie zu verhindern, vorenthalten. In Deutschland stehen für die humangenetische Versorgung nur ca. 360 Fachärzt:innen für Humangenetik zur Verfügung. Diese können den bestehenden Bedarf für humangenetische Beratungen nicht decken. Fast 90% der humangenetischen Ambulanzen und Praxen befinden sich zudem in Großstädten. Patient:innen aus ländlichen Gebieten müssen also weite Anfahrtszeiten auf sich nehmen, um Zugang zu genetischer Versorgung zu erhalten. Mit dem Projekt OnkoRiskNET ist ein Kooperationsnetzwerk aus Humangenetiker:innen und Onkolog:innen geschaffen worden, in dem Patient:innen innerhalb strukturierter Behandlungspfade und unter Einsatz von Telemedizin flächendeckend und wohnortnah einen Zugang zu genetischer Beratung und Diagnostik erhalten. Das Projekt wird im Verlauf evaluiert hinsichtlich Akzeptanz und Inanspruchnahme, gesundheitsökonomischer Aspekte und mittels Messung von Patient reported Outcome measures bezüglich des Einsatzes von Telemedizin in der genetischen Beratung. Projektpartner:innen: Niedergelassene Onkolog:innen in Niedersachsen und Sachsen, Institut für Klinische Genetik Universitätsklinikum Dresden, HMTMH Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung, INAV - Institut für angewandte Versorgungsforschung Berlin, AOK Niedersachsen